Marion Kracht und Michael Werlin beim Drombuschs-Fantreffen 2011 in Darmstadt

Fans fragen - Michael Werlin antwortet - Teil 6

Marco Huber:  Es ist der 24. Januar 2012! Michael Werlin und Marco Huber sitzen gemütlich in Berlin zusammen und beantworten weitere Fragen unserer beliebten Rubrik: „Fans fragen – Michael Werlin antwortet“. Hallo Michael!

Michael Werlin: Hallo Marco! Zunächst einmal grüße ich alle Fans des Drombusch-Forums. Ich habe mich sehr über die vielen neuen, an mich herangetragenen Fragen gefreut.

Marco Huber: Dann beginnen wir doch gleich mit der ersten Frage: Dabei geht es um das Thema Abspänne am Ende eines TV-Filmes. Konkret gefragt: Wieso laufen diese Abspänne heute so schnell, dass sie kein Zuschauer mehr lesen kann?

Michael Werlin: Die einfache Antwort ist: Es soll auch niemand mehr die Abspänne lesen! Denn diese wurden früher, als sie noch länger und ausführlicher waren, auch nur von den wenigsten Zuschauern gelesen! Meist waren überhaupt nur die Schauspieler, oder sogar nur die Hauptrollen, für das Publikum interessant. Die Information, wer beispielsweise Garderobe, Maske oder Requisiten gemacht hat, war und ist doch für die Wenigsten relevant. Daher reduzieren die Senderverantwortlichen, mittlerweile fast immer, die besagten Abspänne. Die Furcht, dass der Zuschauer gelangweilt umschaltet, aufs “Klo“ geht oder Getränke holt, ist dafür die Ursache. Gerade bei den, durch Werbung finanzierten Sendern ist es die Absicht zu verhindern, dass man an ihren teuren Reklame-Einblendungen vorbeischaltet! Daher macht man die Abspänne so kurz wie überhaupt nur möglich. Oft auch parallel zu Werbung oder zu Hinweisen auf das folgende „spannende“ Programm. Am liebsten würde man, aufgrund der genannten Gründe, komplett auf den Abspann verzichten und direkt von einem Film in den nächsten übergehen. Das geht aber aus urheberrechtlichen Gründen zum Glück (noch) nicht.

Marco Huber: Nächste Fanfrage: Werden die gleichen Kennzeichen an den Filmautos immer wieder verwendet und sind diese offiziell bei der zuständigen Behörde gesperrt?

Michael Werlin: Ja! Die gleichen Kennzeichen werden, solange eine Serie läuft, immer wieder verwendet. Sie werden von den örtlichen Kraftfahrzeugbehörden ausgegeben und stehen somit, schon aus versicherungstechnischen Gründen, für andere Nutzer nicht mehr zurVerfügung.

Bei den „Drombuschs“ gab es für uns ca. 20 verschiedene Kennzeichen. Die Autos der Hauptcharaktere, sofern diese das gleiche Auto fuhren, hatten daher auch über alle Staffeln hinweg, durchgehend die gleichen Nummernschilder. Wurde ein Kennzeichen frei, so konnte es in der nächsten Staffel an einem anderen Fahrzeug verwendet werden.

Beispielsweise möchte ich auf das Nummernschild DA-WX-333 am Wagen von Dr. Peter Wollinski (Thomas Schücke) verweisen. Im Laufe der folgenden Staffeln tauchte es an zwei weiteren Fahrzeugen nocheinmal auf. Das war aufgrund der Tatsache, dass wir nur eine begrenzte Anzahl von Kennzeichen benutzen durften, unabdingbar. Der aufmerksame Fan wird daher immer wieder die gleichen Nummernschilder, in verschiedenen Folgen, an verschiedenen Fahrzeugen entdecken.

Wir haben beispielsweise einige in Darmstadt spielende Szenen, auch in Hamburg gedreht. Für diese Aufnahmen wurden die im Hintergrund agierenden Autos mit Darmstädter Kennzeichen ausgestattet, um die „Darmstadt-Illusion“ zu wahren. Dazu muss ich natürlich anmerken, dass damals die neuen Staffeln jeweils erst nach einer produktionsbedingten Pause von 2 Jahren gesendet wurden. Aufzeichnungs-Medien wie VCR, VHS oder sogar DVD steckten noch in den „Kinderschuhen“, sprich der Zuschauer konnte sich die Folgen nur live am Stück ansehen (nicht Wiederholen oder Zurückspulen) Es fiel daher selten auf, wenn ein Kennzeichen mehrfach benutzt wurde!

Zusammenfassend lässt sich sagen: Bei den wiederkehrenden Fahrzeugen der Haupt-Charaktere wurde sehr darauf geachtet, dass die Kennzeichen immer die Gleichen waren. Bei den übrigen Fahrzeugen wurden, nach dem Ende einer Staffel, die uns zur Verfügung stehenden Nummernschilder, immer wieder verwendet.

Marco Huber: Bleiben wir noch beim Oberbegriff „Auto“: Ein Fan möchte gerne wissen, ob alle Drombuschs-Schauspieler einen Führerschein hatten?

Michael Werlin: Alle Schauspieler, die laut Drehbuch fahren sollten, mussten bei den Dreharbeiten auch selbst am Steuer sitzen, egal ob sie einen Führerschein hatten oder nicht. Bei Darstellern ohne Führerschein mussten wir uns deshalb Gedanken machen, wie das zu bewerkstelligen wäre. Entweder kamen die Fahrzeuge dann auf einen Trailer (Anhänger), das heißt sie wurden gezogen und die Schauspieler simulierten dabei, dass sie führen. Wenn ein Fahrzeug aber in einer Totalen zu sehen war, musste die Straße abgesperrt sein, damit keine Unfälle passieren konnten.

Im Prinzip sollte man alle Schauspieler, die im Film Autofahren müssen,vorher fragen ob sie es auch können. Dann gibt es am Drehtag auch keine bösen Überraschungen, wenn man den jeweiligen Schauspieler bittet, sich ans Steuer zu setzen.

Ich erinnere mich daran, dieses Prinzip zwei Mal missachtet zu haben:

In der Reihe „Ein Fall für 2“ war ein türkischer Taxifahrer zu besetzen. Ich ging davon aus, dass der junge Schauspieler aus Berlin selbstverständlich Auto fahren kann. Am Drehort sagte er mir dann, dass er weder einen Führerschein noch je ein Fahrzeug gesteuert habe. Die Folge war, dass wir ihm Nachts auf der Straße „Fahrunterricht“ geben mussten.

Das zweites Beispiel ist aus der 4. Drombuschs-Staffel: Wolfgang Weiser, der den Besitzer des Maxims (Albert Huttner) spielte, sollte laut Drehbuch mit seinem Jaguar vom Hinterhof der Bar zügig auf die Straße fahren. Der Schauspieler sagte mir am Drehtag, dass er keinen Führerschein hat und auch nicht fahren könne. Wir hatten „glücklicherweise“ den Stuntman (Peter Hick) am Drehort, der den Türsteher und Leibwächter von Albert Huttner spielte. Ich bat ihn, als Double einzuspringen und den Jaguar vom Hof zu fahren. Er wurde von uns so präpariert, dass man ihn als Fahrer nicht genau erkennen konnte. Als er mich fragte, wie er denn fahren solle, sagte ich ihm: „Normal bis sportlich“! Dies einem Stuntman zu sagen, war natürlich das Falscheste was man tun konnte. Er kam dann aus der Ausfahrt „gebrettert“, ist nach rechts abgebogen und raste auf die Querstraße zu. Beim erneuten Abbiegen brach der Wagen aus und knallte mit der Hinterachse an den Bordstein. Das linke Hinterrad stand daraufhin nach innen und der Wagen war nicht mehr fahrtüchtig. Wir konnten die Szene nur ein einziges Mal drehen. Das Auto musste zur Reparatur, was vor dem Hintergrund, dass er uns von einem Privatmann zur Verfügung gestellt wurde, äußerst ärgerlich war. Nach einer solchen „Anweisung“ fühlt man sich vor dem Team nicht gerade sehr souverän.

Marco Huber: Die nächste Frage, kommt von einem Immobilienbesitzer. Er möchte wissen, ob er seine Wohnung bzw. sein Haus für Dreharbeiten zur Verfügung stellen und in eine Kartei aufnehmen lassen kann. Dabei spielt natürlich auch der finanzielle Aspekt eine Rolle, denn der 2. Teil der Frage lautet: Wie viel wird für Aufnahmen in einer Immobilie pro Drehtag bezahlt?

Michael Werlin: Ja, selbstverständlich ist das möglich. Ich würde allerdings keine 1-Raum-Wohnung mit 20 qm in eine Filmkartei aufnehmen lassen. Denn die Wohnung sollte eine gewisse Größe und Attraktivität haben. Sie muss nicht immer das reiche Milieu widerspiegeln, aber im Film ist meist eine interessante und besondere Optik gefragt. Eine gewisse Größe ist notwendig, weil ja nicht nur diehandelnden Schauspieler vor Ort sind, sondern auch das „Dreh-Team“ anrückt, was im Motiv noch aus mindestens 6-8 Personen besteht.

Wenn die Örtlichkeiten diese Kriterien erfüllen, kommt ein sogenannter Motiv-Scout, der sich die Räumlichkeiten anschaut und diese dann, wenn sie für ihn interessant erscheinen, in seine Kartei aufnimmt.

Bei der Bezahlung gibt es folgende Faustregel: Für eine Mietwohnung erhält man pro Drehtag eine Vergütung von einer Monatsmiete! Das heißt bei einer Wohnungs-Miete von beispielsweise 600 Euro, kann man pro Dreh-Tag auch 600 Euro verlangen. Wenn in der jeweiligen Immobilie an mehreren Tagen gedreht wird, versucht der Produktionsleiter eine Pauschale anzubieten. (Anzahl der Drehtage mal „Monatsmiete“ minus Rabatt). Das ist dann Verhandlungssache.

Marco Huber: Mit der nächsten Frage, wird es musikalisch. Sie lautet: Wer hat die Musik der Drombuschs ausgesucht. Dabei geht es nicht um die komponierte Titelmelodie, sondern um die sonstige Musik, die in den Folgen zu hören ist!

Michael Werlin: Es wären da 3 Kategorien zu nennen:

1.) Die Musik-Stücke, die im Drehbuch, also durch den Autoren Robert Stromberger, für bestimmte Situationen der Handlung festgelegt waren! Herr Stromberger war ein sehr großer Kenner und Liebhaber klassischer Musik. Diese wurde in seinen Drehbüchern auch exemplarisch angeführt. Die Musikstücke standen von Anfang an fest und wurden auch ohne jegliche Diskussion so verwendet.

2.) Darüber hinaus gab es die „Originalmusik“ an den Drehorten. So spielte beispielsweise im Innenhof des L’Auberge eine 3 Mann Combo zur Unterhaltung der Gäste. Die Musiker hatten ein gewisses Repertoire, welches vor den Dreharbeiten im Maritim Hotel in Darmstadt aufgezeichnet wurde. Die Fans, die beim letzten Treffen dabei waren, kennen diesen Raum. Es handelt sich um das heutige Raucherzimmer, neben der Hotelbar.

Im Play-back-Verfahren wurde dann beim Drehen die Musik nur „angespielt“ und während der Dialog-Szenen herunter geregelt. Erst bei der Nachbearbeitung wurde sie dann, in entsprechender Lautstärke, dazu gemischt. Die Auswahl, welche Musik zu der jeweiligen Szene passte, oblag mir. Die Thematik habe ich dabei immer der jeweiligen Stimmung angepasst. Bei traurigen Szenen sind traurige Stücke zu hören, bei fröhlichen Szenen, lustige Musiken.

3.) Die dritte Art der Musik ist die Szenische-Untermalungsmusik, die zum größten Teil von Eugen Thomass komponiert wurde.

Sonst sind noch die Funktions-Musiken (beispielsweise in Kaufhäusern, Restaurants usw.) von mir ausgesucht und in der Nachbearbeitung dazu gemischt worden.


Michael Werlin beim Drombuschs-Fantreffen 2011 im Innenhof der "Alten Mühle"

Fans fragen - Michael Werlin antwortet - Teil 7

Marco Huber: Und weiter geht es mit 6 neuen Fragen: Die erste lautet: Wie kam es dazu, Michael Degen alias Dr. Martin Sanders in der Filmhandlung nach Israel gehen zu lassen, bzw. warum hat man sich für dieses Land entschieden?

Michael Werlin: Drehbuchautor Robert Stromberger hatte dem Gesamtkonzept der Serie entsprechend beschlossen, die Beziehung zwischen Martin Sanders und Vera Drombusch zu beenden. Dabei sollte, der in Darmstadt nicht mehr geachtete, Martin Sanders an ein Goethe Institut ins Ausland gehen. Herrn Stromberger schwebte zuerst Jordanien mit der Hauptstadt Aman vor. Durch die Intervention des Dr. Sanders Darstellers Michael Degen, der als Schauspieler mit jüdischer Abstammung nicht in einem arabisches Land drehen wollte, musste diese Idee fallen gelassen werden. Als Alternativ-Drehort wurde Tunesien vorgeschlagen, da dieses Land zur damaligen Zeit politisch am Wenigsten aggressiv gegenüber Israel war. Aus Furcht vor eventuellen Repressalien, wollte Michael Degen aber generell in kein arabisches Land fliegen. Das konnte man gut nachvollziehen und daher wurde der Spielort auf Israel abgeändert. Gedreht wurde dann in Tel Aviv, Jerusalem, am Toten Meer und in der Negev Wüste. Die Dreharbeiten fanden im Hochsommer statt und es war sprichwörtlich eine sehr, sehr schweißtreibende Angelegenheit.

Darüber hinaus kann ich hier ein kleines Geheimnis verraten:
In Tunesien wären die Dreharbeiten sehr viel preiswerter gewesen. Gewöhnt an die Budgets der amerikanischen Film-Produktionen, die beispielsweise in Israel fast alle ihre Filme mit arabischem Hintergrund drehen (wie z.B. „Rambo“), werden die wenigen Drehorte, die hier in Frage kommen, sehr „Gewinnbringend “ vermarktet. Abgerechnet wird prinzipiell nur in Dollars. Durch den damaligen Umrechnungskurs zur DM, wurden die Dreharbeiten für uns sehr viel teurer als kalkuliert.

Marco Huber: Die nächste Fanfrage lautet: Wie hoch war die Gage der Komparsen, die bei den Dreharbeiten zu „Diese Drombuschs“ mit dabei waren?

Michael Werlin: Zur damaligen Zeit wurde für einen Drehtag, der für die Komparsen oftmals sehr lange dauerte, eine Gage von 100 D-Mark gezahlt. Wenn ein Komparse für mehrere verschiedene Szenen gebraucht wurde und somit unterschiedliche Kleidungsstücke von ihm benötigt wurden, erhielt er zusätzlich eine sogenannte Kleiderzulage in Höhe von 20 D-Mark. Wer darüber hinaus noch eine „kleine Rolle“ hatte, in der gesprochen oder eine spezielle Situation gespielt werden musste, erhielt nochmals 20 D-Mark extra. Dabei war es egal, ob es sich um nur ein Wort oder um mehrere kurze Sätze handelte. Das heißt, dass ein Komparse im besten Fall für einen Drehtag 140 D-Mark plus ein Mittagessen erhalten konnte.

Marco Huber: Eine weitere Frage, die in unserem Fanforum an dich herangetragen wurde, lautet: Wie viele Stunden Drehzeit benötigt man für eine Minute Film?

Michael Werlin: Wir sollten zur damaligen Zeit 4 bis 4 1/2 fertige Schnitt-Minuten pro Drehtag herstellen. Das ist verhältnismäßig wenig, denn bei vergleichbaren Serien, waren mindestens 5 Minuten und mehr Pflicht. Wir hatten dieses Privileg, da wir ja Fernsehspielqualität liefern sollten.
Je nach dem Schwierigkeitsgrad der Szene, musste man alle halbe Stunde eine Einstellung schaffen. Wir drehten durchschnittlich 20 Einstellungen pro Tag. Also auf die reine Drehzeit von 8 - 10 Stunden gerechnet kann man sagen, das nach der Faustformel alle 2 Stunden eine Film-Minute entstehen muss, mit allem notwendigen „Drum und Dran“. Für manche Einstellungen braucht man weniger Drehzeit, für Andere mehr. Das relativiert sich aber im Laufe eines Drehtages dann wieder.

Marco Huber: Weiter geht es mit der Frage: Wird bei Szenen, in denen im Film Alkohol getrunken wird, richtiger Alkohol verwendet?

Michael Werlin: Ich sage es mal so: In der Regel sollte kein echter Alkohol verwendet werden. Was die Requisiteure kaufen und anbieten ist in Wahrheit folgendes: Sekt: eine gefärbte Flüssigkeit mit Sprudel, Weine werden mit Säften (rot-weiß) dargestellt, Schnäpse: sind Tee und das Bier ist natürlich alkoholfrei.

Aber ich habe auch schon erlebt, dass bei einer gewissen Produktion echter Alkohol ausgeschenkt wurde. „Moselbrück“ war eine Serie über eine an der Mosel lebende Winzerfamilie, bei der natürlich von früh bis spät „Wein“ getrunken wurde. Und da hat sich der eine oder andere Schauspieler auch gerne mal eine echte Flasche Wein öffnen lassen. Das führte dann zu einigen lustigen Situationen, aber auch zu deutlicher Mehrarbeit, da manche Einstellungen immer wieder gedreht werden mussten, bis sie perfekt waren.

Auch bei den Drombuschs, gibt es eine Szene in der wirklich einmal echter Alkohol im Spiel war. Es war an diesem Tag die letzte Einstellung. Eine Totale – alles andere war bereits abgedreht. Daher habe ich mir gedacht: Zum Feierabend hin, lasse ich mal `ne schöne Flasche Sekt öffnen. Mit Korkenknall und richtigem Schaum. Ich dachte mir: „Dass ist schnell im Kasten und alles wird problemlos verlaufen!“ Das war natürlich ein großer Irrtum. Die Szene uferte relativ schnell aus, denn die letzte Mahlzeit an diesem Tag, wurde während der Mittagspause zu sich genommen und somit hatten die Schauspieler (es war zwischen 18 und 19 Uhr), relativ wenig im Magen. Der Sekt wirkte dermaßen schnell, dass einige Darsteller schon beim zweiten Durchlauf leicht angeheitert waren. Witta Pohl, Marion Kracht, Sabine Kaack lachten unkontrolliert, („Ludwig hat geerbt…ha, ha, ha!“) Grete Wurm war blau und Mick Werup kreischte bereits. Zum Schluss hatten alle einen in der Krone. Den optisch-akustischen Beweis kann man in einem der Team-Filme, die bei den Fantreffen gezeigt werden, besichtigen.

Dies war das erste und einzige Mal, dass wir beim Dreh einer Szene wirklich Alkohol ausgeschenkt haben.

Marco Huber: Die vorletzte Frage dreht sich um Szenen, die im Drehbuch standen, es aber nicht auf den Fernsehbildschirm geschafft haben. Was waren das für Aufnahmen und warum sind sie nicht in der fertigen Folge zu sehen?

Michael Werlin: Der Autor Robert Stromberger legte großen Wert darauf, dass alles was er geschrieben hatte, szenisch umgesetzt und auch gezeigt werden sollte. Dabei entstand leider das Dilemma, dass die Verfilmung der Drehbücher durch mich, meist länger wurde als die vorgegebenen 60 bzw. 90 Minuten Sendezeit es erlaubten. Es wurde daher vieles gedreht, was leider hinterher nicht in die fertige Folge eingebunden werden konnte. Die Folgen mussten so geschnitten werden, dass sie in die Vorgaben des Senders passten. Es war natürlich ein sehr harter und langwieriger Prozess, aufwändig gedrehte Szenen herauszunehmen. Lediglich bei den letzten Folgen der jeweiligen Staffeln, bekamen wir einige Zusatzminuten gebilligt. Was sich allerdings heute für Wiederholungen als sehr nachteilig herausstellt. Denn wo bringt man in einem festgezurrten Serien-Senderaster von 60 Minuten eine Folge mit 65 Minuten Sendelänge unter?

Geschnitten wurde letztlich das, was nicht unbedingt für die Folge notwendig war. So fiel leider ab der 3. Staffel der lange Titel-Untergrund, mit Spielszenen der jeweiligen Hauptdarsteller, der Schere zum Opfer. Auch Aufnahmen die „Rand-Begebenheiten“ zeigten, beispielsweise die kurze Szene, in der Oma Drombusch mit Dr. Schüler in Tirol zu sehen ist, kam nicht in die Sendefassung.

Dieses nicht verwendete Material wird üblicher Weise (leider) im Kopierwerk vernichtet. Es existieren lediglich noch die Drehbücher und einige wenige Fotos der jeweiligen Szenen. Einige davon sind aber dankenswerter Weise auf der Homepage zu sehen.

Marco Huber: Und damit sind wir leider schon bei der letzten Frage für heute angelangt. Sie dreht sich um das Thema „Freundschaft“ zwischen Schauspielern. Die konkrete Frage lautet: Gab es deines Wissens nach zwischen den Drombuschs-Darstellern Freundschaften?

Michael Werlin: Naja „Freundschaft“ ist ein großes Wort. Man darf nicht vergessen, dass die Schauspieler meist nicht über die Besetzung ihres jeweiligen Partners mitentscheiden. Man wird während der Dreharbeiten zu einer Gemeinschaft, ja fast zu einer „Notgemeinschaft“, vergleichbar mit einer Schiffsbesatzung. Da spielt die Zusammenstellung der „Mannschaft“ für das Gelingen eine entscheidende Rolle. Nach dem „Ablegen“ kann man ja nicht mehr so einfach „aussteigen“. Es entwickeln sich Zuneigungen, auch zwischen den Geschlechtern, ebenso entstehen Sympathien und Antipathien wie bei jeder anderen Unternehmung auch. Wobei Antipathien meist dazu führen dass man bei der Fortsetzung einer Serie nicht mehr dabei sein möchte, oder das auf gewissen Personen „verzichtet“ wird.

Ich erinnere mich daran, dass es bei den „Drombusch-Schauspielern“ zwischen Witta Pohl und Günter Strack eine sehr enge Freundschaft gab. Auch Marion Kracht und Sabine Kaack haben sich sehr gut verstanden. Außerdem denke ich, dass Eike Hagen Schweikhardt in Mick Werup eine Art „brüderliches“ Vorbild oder großen Freund gesehen hat.

Meiner Beobachtung nach, haben Witta Pohl und Hans-Peter Korff sehr gerne miteinander gespielt. Es herrschte zwischen den beiden ein sehr gutes und professionelles, wie auch ein privat herzliches Verhältnis.

Witta Pohl hatte dann bei der Besetzung ihres zweiten Partners ein Mitspracherecht und hat sich natürlich sehr darüber erfreut, dass Michael Degen, ihrem Wunsch entsprechend, für diese Rolle besetzt wurde. Die Beiden haben wirklich glänzend miteinander harmoniert.

Ob das jetzt alles Freundschaften im engsten Sinne des Wortes waren, kann ich nicht beurteilen, aber es gab fast keine direkten Abneigungen, wie ich sie bei zahlreichen anderen Produktionen erleben musste.

Er ist zwar kein Schauspieler, aber ohne das wirklich freundschaftliche Verhältnis zwischen dem Kameramann Wolfgang Knigge und mir, wäre das Ergebnis der „Drombuschs-Staffeln 3 und 4, so niemals zustande gekommen.

Marco Huber: Vielen Dank Michael für deine aufschlussreichen Antworten, die uns Fans wieder einige Eindrücke rund um „Diese Drombuschs“ beschert haben. Wir freuen uns schon aufs nächste Mal!

Michael Werlin: Gern geschehen. Bis bald. Tschüss, und ich hoffe wir sehen uns beim Fantreffen in Berlin! Euer Michael Werlin


Michael Werlin 1989 vor dem "Maxim" während der Dreharbeiten zur 4. Drombuschs-Staffel