Folge 2 „Der Appell“

 

Inhalt:

Oma Drombusch ist mittlerweile seit 3 Wochen bei ihren Lieben. Sie fühlt sich wohl und gebraucht, und will nicht wahrhaben, dass Vera und Sigi ihrer Abreise entgegenfiebern. Erst als Vera ihr den Koffer aufs Sofa stellt und Sigi ihr eine Zugverbindung nennt, reist Oma gekränkt zurück nach Gießen. Marion stößt mir ihrer Art und ihrer Lebensweise bei ihrem Chef und ihren Kolleginnen an. Dr. Welling ruft daraufhin seinen Freund Sigi an, um ihn über Marions Probleme in der Praxis zu informieren. Sigi führt daraufhin ein ernstes Gespräch mit Marion. Thomis Leistungen in der Schule werden immer schlechter, Sigi und Vera beschließen daher, täglich mit dem Jungen zu lernen. Oma wird mit dem Alleinsein nicht fertig und sucht einen Untermieter. Alle Kandidaten wollen aber nicht so ganz dem Idealbild der alten Dame entsprechen. Daher greift sie zu einem Trick, um zu ihrer Familie nach Darmstadt ziehen zu können….


Darsteller:

  • Vera Drombusch (Witta Pohl)
  • Siegfried „Sigi“ Drombusch (Hans-Peter Korff)
  • Marion Drombusch (Sabine Kaack)
  • Christoph „Chris“ Drombusch (Mick Werup)
  • Thomas „Thomi“ Drombusch (Eike Hagen Schweikhardt)
  • Margarete Drombusch (Grete Wurm)
  • Gerd Schräpper (Peter Buchholz)
  • Dr. Walter Welling (Klaus Barner)
  • Herr Immelmann (Franz Rudnick)
  • Tante Claudia (Almut Eggert)
  • Frau Zehnert (Lieselotte Quilling)
  • Blonde Mietinteressentin (Ruth Kähler)
  • Student 1 (Douglas Welbat)
  • Student 2 (Fritz Eggert)
  • Sekretärin Immelmann (Henny Reinheimer)
  • Radiomoderator (Frank Zander)

Erstsendung Dienstag 27.12.1983 19:32 Uhr Dauer 00:58 Uhr 13,44 Mio


Zitate:

Oma Drombusch (in der Telefonzelle zu einem wartenden Passant): Treten sie ruhig näher! (Flüsternd zu Frau Zehnert am anderen Ende der Leitung: Es geht da um einen kostbaren Rokokoschrank!
 
Vera: Na, Mathe zurück?
Thomi: (Zustimmendes Brummen)
Vera: Und? Du hast doch wieder die Zahnspange nicht dran!
Thomi: Natürlich hab ich die an!
Vera: Also 4?
Thomi: Nein, ne 5!
Vera: Dann „Frohen Abend“!

Oma: Warum schreibst du nicht oben im meinem Zimmer? Da bist du ungestört und ich bleibe noch ein paar Tage hier und gebe aufs Geschäft acht.
Sigi: Und wenn ein Kunde kommt verkaufst du französisches Amphore als deutsches Biedermeier.

Thomi: Wieso bleibt Oma eigentlich nicht bei uns?
später…
Thomi: Aber das Zimmer steht doch leer.
Sigi: Du hast doch gehört, dass Oma in Gießen bleiben möchte.
Thomi: Hat sie gar nicht gesagt.
Vera: Beim Essen spricht man nicht.

Sigi: Entschuldige, du bist zu Hause, nicht ich!
Vera: Stimmt! Ich bin in der Tat samstags zu Hause. Während du aufregende Entspannung auf der Fußballtribüne sucht. Ich bin auch sonntags zu Hause. Während du beim strapaziösen Frühschoppen überparteiliche Beziehungen pflegst. Und besonders bin ich in der Woche abends zu Hause. Wenn du bei zeitungsträchtigen Vereinfeiern die Partei vertrittst, bedeutsames Bla-bla-bla machst und städteverschwisternde Damen charmierst. Das ist das Vaterbild der Jahrhundertwende! 

Sigi: Mathematik ist Logik in Zahlen. 2 plus 2 gleich 4.
Vera: Eben, das ist es ja was mich so irritiert.
Sigi: Schäm dich, Schätzchen.
Vera: Weißt du, dass dein Sanftmut aufreizend ist?

Sigi: 47 Arbeiter bauen einen Eisenbahndamm. Der Damm wächst täglich um 12 Meter und zwar bei einer Arbeitszeit von 8 Stunden. Um wie viel Meter mehr würde der Damm mehr wachsen wenn 67 Arbeiter bei einer Arbeitszeit von  9 Stunden daran arbeiten würden? (schaut Thomi an) Ja, und das kannst du nicht rechnen? Aber das ist doch ganz einfach. Was hast du? Du hast einen Eisenbahndamm.
Thomi: Ja
Sigi: An dem Damm arbeiten 47 Arbeiter
Thomi: Ja
Sigi: Und zwar bei einer Arbeitszeit von 8 Stunden.
Thomi: Ja
Sigi: Jetzt kommt’s. In dieser Zeit wächst der Damm um 12 Meter.
Thomi: Ja
Sigi: Jetzt brauchst du nur noch zu rechnen. Wenn das nicht 47 sondern 63 Arbeiter wären und diese 63 würden nicht 8 sondern 9 Stunden arbeiten, um wie viel Meter mehr würde dann der Damm wachsen als 12 Meter?
Thomi: Ja
Sigi: Ja, dann rechne das mal.
Sigi (zu der dazukommenden Vera): Möchtest du was?
Vera: Ich sollte dazu kommen.
Sigi: Ach, du kannst ruhig in die Küche gehen, das dauert bis der Junge das begriffen hat.
Vera: Wie du meinst (gibt Sigi einen Kuss auf die Stirn)
Sigi (zu Thomi): Und du rechnest bitte laut.
Thomi: Ich rechne (greift zum Taschenrechner)
Sigi: Ohne Taschenrechner.
Thomi: Ich rechne. 47 Arbeiter, arbeiten 12 Meter.
Sigi: Hm, richtig.
Thomi: Also arbeiten an einem Meter, 47 durch 12, dreimal 12 sind 36, und 47 warn’s - dann bleiben 11 Arbeiter übrig.
Sigi: Wieso bleiben die übrig? Die arbeiten doch auch.
Thomi: Aber 47 durch 12 das geht doch nicht.
Sigi: Natürlich geht das, das sind drei-elf-zwölftel Arbeiter.
Vera: (räuspert sich)
Sigi: Rein rechnerisch, aber so darf er das natürlich nicht rechnen. Man kann ja Arbeiter nicht durch Meter teilen. Denn die arbeiten das ja in 8 Stunden. Darfst du nicht vergessen.
Thomi: Also dann muss ich so rechnen: 47 Arbeiter, arbeiten 8 Stunden. Dann arbeiten in einer Stunde. 47 durch 8 das sind; 5 mal 8 sind 40. 47 warn’s, dann bleiben noch 7 übrig.
Sigi: Ja, 7 was?
Vera (aus der Küche rufend): 7 Arbeiter
Sigi: Unsinn!
Thomi: 7 Meter
Sigi: Natürlich Stunden. Denn wenn man Arbeiter durch Stunden teilt. Aber, du hast ja überhaupt keine Ahnung wie man so etwas rechnet. Wie hat’s euch denn der Lehrer erklärt? Der hat euch das doch erklärt?!
Thomi: Der hat gesagt, die eine Hälfte kommt auf den Bruchstrich und die Andere darunter. Und dann müssen wir kürzen.
Sigi: Sehr richtig. Und wie machst du das?
Thomi: Ich kürze so lange, bis nichts mehr übrig bleibt.
Sigi: Dann ist also kein Damm mehr da, keine Arbeiter, nichts?
Thomi: Aber das ist doch so beim kürzen. Wenn nichts mehr übrig bleibt, ist die Aufgabe aufgegangen.
Sigi (beschwörend): Aber hier darf sie doch nicht aufgehen, Thomi. Denn wenn 47 Arbeiter in 8 Stunden 12 Meter bauen, dann bauen doch nicht 63 Arbeiter in 9 Stunden null Komma nix.
Thomi: Ja
Sigi: Also!
Thomi: Ich rechne. Ich weiß nicht wie man das rechnet.
Vera (aus der Küche kommend): Das überlegst du dir während du dir deine Spange holst und dann wird dir das Vati noch mal ganz genau erklären. Ja?
Thomi verlässt das Zimmer 
Thomi (von der Treppe rufend): Oma hätte mir das viel besser erklärt.
Sigi: Ja, ja Oma.
Sigi (murmelnd): Also 47 Arbeiter zu 63 Arbeitern, das sind. Also so geht das nicht.
Vera setzt sich zu Sigi auf die Bank
Sigi: Ein Arbeiter, von 47 Arbeitern. Ach, …..
Vera: 18,09
Sigi (überrascht): Bitte?
Vera: 18,09. Das sind 6,09 Meter mehr. (reicht Sigi einen Zettel) Das ist das Resultat.
Sigi: Wie hast denn das rausgekriegt?
Vera: Auf meine Weise, ich hab Peter angerufen.

Dr. Welling (zu Marion): Aber Umgangston kommt vom Umgang!

Sigi (über Marion zu Dr. Welling): In ihrem Alter sind die Einflüsse Fremeder stärker als die ganze Erziehung!

Gerd: Was verstehst du unter Ordnung, Schutzmann?
Chris: Sicher nicht das Selbe wie du, Fotofreund!

Sigi (zu Marion): Du kannst nichts Überdurchschnittliches fordern, wenn du kaum Durchschnittliches bietest!

Sigi: Das kann Vieles erklären, aber nicht Alles entschuldigen!

Marion: Ich habe diese Arbeit gelernt und jetzt mache ich diese Arbeit auch! Muss ich sie deshalb lieben?
Sigi: Nein, aber du musst das Geld wert sein, was ein Anderer für dich zahlt. Zu deiner eigenen Selbstachtung!

Gerd (will die Wendeltreppe hinauf): Darf ich? (verbeugt sich)
Sigi: Sie verwechseln Ironie mit Höflichkeit!

Oma: Also sie reden Frau Zehnert. Ich kann doch nicht einfach wildfremde Menschen nehmen, wenn die gleich beim ersten Gespräch über die halbe Wohnung verfügen wollen.
Frau Zehnert: Ja, aber etwas abgeben müssen sie schon. Für nix gibt’s nix!
Später:
Oma: Also was die Leut’ sich so denken! Ich kann doch nicht an den Bruder für die Schwester vermieten!
Frau Zehnert: Sie wollen ja gar net vermieten. Sie wollen den Bär waschen, aber das Fell nicht nass machen. Aber das geht nun mal net.


Besonderheiten:

  • das Highlight dieser Folge sind ganz klar, Sigis Versuche, Thomi bei seinen Hausaufgaben zu helfen (siehe Zitat oben)
  • Sigi Drombusch fährt einen hellbraunen Mercedes 300TD Komi mit dem Kennzeichen; DA-SD-704
  • das Zitat „Sei lieb“ kommt in dieser Folge zwei mal vor; einmal gesagt von Vera, einmal gesagt von Sigi
  • die Ehefrau von Dr. Walter Welling heißt „Helga“
  • Omas Adresse in Gießen lautet: Lessingstr. 47
  • Chris Kollege, der zusammen mit ihm auf Streife geht, heißt „Manfred Jäger“
  • Thomis schlechte Leistungen in der Schule, welche über mehrere Folgen Thema sind, werden in dieser Folge zum ersten Mal erwähnt (er schreibt eine 5 in Mathe)
  • Marion verdient als Sprechstundenhilfe 1.286 Mark (Netto) monatlich
  • Chris bezahlt Thomi 1 Mark, damit er den von Vera zubereiteten Vitaminsaft trinkt
  • das Wort „Despotismus“, welches Chris in den Mund nimmt, bedeutet: eine Staatsform in der Staatsoberhaupt die uneingeschränkte Herrschaft ausübt
  • das „Senioren-Quartett“ welches Oma erfindet, um die zwei Studenten loszuwerden hat folgende, fiktive Mitglieder: Oma spielt Klavier, Frau Jauner spielt Geige, Frau Tran Cello und Herr Gluckner spielt Klarinette
  • im Darmstädter Sozialamt arbeitet Herr Immelmann in Raum 102, seine Sekretärinnen arbeiten im Raum 103
  • Oma wurde in Darmstadt geboren und lebte in der Eckhardstrasse


Fehler:

  • zu Beginn der Folge telefoniert Oma Drombusch von einer Telefonzelle am Darmstädter Luisenplatz mit ihrer Nachbarin Frau Zehnert; als sie die Telefonzelle verlässt, spiegelt sich Kameramann Axel de Roche in der gläsernen Telefontür (01:13)
  • nachdem Oma Drombusch zurück in ihrer Gießener Wohnung ist, betritt sie verschiedenen Räume, schaltet die Lichter ein und schaltet diese nach Verlassen der Räume (Flur, Küche, Schlafzimmer, Wohnzimmer) wieder aus um kurz darauf wieder die Wohnung zu verlassen; allerdings vergisst sie das Licht im Wohnzimmer auszuschalten (16:18)

Gastschauspieler:

  • Herr Immelmann, der Leiter des Sozialamtes und politischer Widersacher von Sigi wird von Franz Rudnick gespielt; er ist u. a. als Dr. Wolter aus der „Schwarzwaldklinik“ bekannt und trat in über 60 Film- und Fernsehproduktionen auf; der Schauspieler ist am 13.10.1931 in Berlin geboren und im Oktober 2005 an seinem 74. Geburtstag verstorben
  • in der Rolle als Marions Chef Dr. Walter Welling ist Klaus Barner (geb. 1933) zu sehen; der Schauspieler scheint auf Arztrollen spezialisiert zu sein; er spielte über 10 Film- und TV-Ärzte (u. a. in „Der König“, „Die Flughafenklinik“ und „Aus heiterem Himmel“)
  • als Tante Claudia ist die Schauspielerin und Synchronsprecherin Almut Eggert (geb. am 07.06.1937 in Rostock) zu sehen, sie taucht später noch mal in der 5. Folge auf
  • als Radiomoderator ist der Sänger, Moderator und Schauspieler Frank Zander zu hören; er wurde am 04.02.1942 in Berlin geboren und ist vor allem durch seine Hits: „Hier kommt Kurt“ & „Oh, Susi“ bekannt; außerdem singt der die Hymne des Fußball Bundesligisten Hertha BSC „Nur nach Hause“ 


Drehorte:

  • Luisenplatz (Telefonzelle)
  • Wohnung Familie Drombusch (Gästezimmer, Flur 1. Stock, Wohnzimmer, Esszimmer, Zimmer Marion)
  • Praxis Dr. Welling (Flur, Empfang, Behandlungszimmer)
  • Antiquitätengeschäft (Ladengeschäft, Büro, Treppe)
  • Hauptbahnhof Darmstadt (Vorplatz, Bahnsteig 3/4)
  • Wohnung Oma in Gießen (Treppenhaus, Flur, Küche, Wohnzimmer, Schlafzimmer, Musikzimmer, Bad)
  • Gaststätte in Gießen (Gastraum)
  • Sozialamt Darmstadt (Treppenhaus, Flur, Sekretariat Immelmann, Büro Immelmann)
  • Kongresssaal (Saal, Empore, Flur)
  • Fußgängerzone Darmstadt (vor Antiquitätengeschäft)
  • Halle (Gesangswettbewerb Marion)