Folge 11 „Die manipulierte Chance“


Inhalt:

Sigi liegt nach seiner Herzattacke auf der Intensivstation. Sein behandelnder Arzt teilt Vera und ihm mit, dass er sein Leben zukünftig radikal ändern muss. Vera ist dazu bereit und handelt sofort, in dem Sie den Vorvertrag des Tabakshops sowie den Mietvertrag des Tea-Houses kündigt. Als Sigi davon erfährt ist es zutiefst verletzt und fühlt sich entmündigt. Als Ludwig von Sigis Schicksal hört, gesteht er Vera, dass er nicht der reiche Onkel ist, für den er sich ausgegeben hat, sondern vollkommen mittellos ist. Frau Werbelhoff hat sich entschlossen in ein Altersheim zu ziehen und kündigt daraufhin Oma Drombusch das Mietverhältnis. Marion reißt nachdem sie von Sigis Herzattacke gehört hat, sofort aus Hamburg an. An seinem Krankenbett schließen Vater und Tochter Friede. Tinas Eltern können sich mit Chris als Freund ihrer Tochter nicht abfinden, was zu heftigen Diskussionen und Streit führt…


Darsteller:

  • Vera Drombusch (Witta Pohl)
  • Siegfried „Sigi“ Drombusch (Hans-Peter Korff)
  • Marion Drombusch (Sabine Kaack)
  • Christoph „Chris“ Drombusch (Mick Werup)
  • Thomas „Thomi“ Drombusch (Eike Hagen Schweikhardt)
  • Margarete Drombusch (Grete Wurm)
  • Daniel Drombusch (Thorben & Thorsten Mahler)
  • Ludwig Burlitz (Günter Strack)
  • Tina Reibold (Marion Kracht)
  • Claudia Reibold (Christiane Pauli)
  • Herbert Reibold (Heinz Gerhard Lück)
  • Frau Werbelhoff (Jane Tilden)
  • Frau Kummer (Else Quecke)
  • Professor Gerling (Hans-Günter Martens)
  • Schwester Lotte (Helga Grimme)
  • Schwester Erika (Margit Schulte-Tigges)

Erstsendung Freitag 22.11.1985 20:15 Uhr Dauer 01:04 Uhr 19,67 Mio


Zitate:

Schwester Erika: Sie sind so gut wie überm Berg. (deutet auf den Überwachungsmonitor) Hier, marschiert wie ein Uhrwerk!
Sigi: Und warum bin ich noch auf der Intensivstation?
Schwerster Erika: Weil wir auf der Innern kein Bett frei haben!

Vera: Bremsen sie ihn! 3 Geschäfte, der Umbau, Termine, die Politik, die Familie. Jedem will er’s Recht machen. Alles 200%ig! Wie ändern sie so einen Mann?
Professor Gerling: Vielleicht war es ganz heilsam, dass diese Geschichte passiert ist. Er ist an die Grenzen seiner Kraft gestoßen – und zwar äußerst schmerzhaft. Herzangst ist Lebensangst und keine Unpässlichkeit, die man nach 5 Minuten wieder vergessen kann. Diesen Schock muss er erstmal verarbeiten! Und da gibt es 2 Möglichkeiten für ihn: Entweder, er nimmt die Lehre an und zieht die Konsequenzen, oder aber er verdrängt alles und sagt „mir geht es fabelhaft“. In diesem Fall, sehen wir uns mit einiger Wahrscheinlichkeit wieder!

Sigi: Fahr’ vorsichtig, ich brauch’ dich.
Vera: Denk’ an was Schönes.
Sigi: Ich denk’ an dich.

Sigi: Welche Chancen habe ich?
Professor Gerling: Die Besten! Wenn sie einsichtig sind.
Sigi: Was heißt das?
Professor Gerling: Nur ein Narr gibt mehr als er hat.

Professor Gerling: Nein, Herr Drombusch. So kann man das nicht sehen – und das habe ich auch nicht gesagt! Sie werden alles können! Nur nicht mehr aus dem Vollen schöpfen. Sie müssen haushalten mit ihrer Kraft. Einen anderen Rhythmus finden. Ohne Hektik. Mit geregelten Mahlzeiten. Sport treiben. Sie müssen nach der Uhr leben, damit sie sich nicht gegen die biologische Uhr in ihnen vergehen. Der liebe Gott mag uns unsere Sünden verzeihen, aber unser Körper nie.
Sigi: Das heißt, die Hälfte fürs Ganze!? Damit schaff ich’s nicht. Ich kann nicht einfach aussteigen und die Mark für 50 Pfennig geben.
Professor Gerling: Das brauchen sie auch nicht. Sie müssen sich nur besser einteilen.
Sigi: Verzicht?
Professor Gerling: Auch auf Unnötiges verzichten, ja! Aber das lernt sich wenn man muss. Ich habe früher 50 Zigaretten geraucht, pro Tag. Das ist nicht das Problem. Das Problem ist ein Anderes! Die wenigsten Leute sind davon überzeugt, dass sie müssen. Und ich fürchte, die gehörten dazu!
Sigi: Wer lässt sich schon gerne sagen, dass er seinen Aufgaben nicht mehr gewachsen ist?
Professor Gerling: Das behaupten sie! Ich habe davon gesprochen, dass sie Normalisieren müssen, was zu viel war. Das ist was ganz anderes! Sie haben gearbeitet für drei Drombuschs und dabei vergessen, dass sie das Herz haben von nur einem!
Sigi: Und wie soll das funktionieren? Normalisieren? Ich bin Selbständig! Ich bekomme kein Gehalt, keine Arbeitgeberanteile und keine Pension! Was ich nicht erarbeite, das habe ich nicht.
Professor Gerling: Sie werden schon keine Not leiden müssen. Und vom Erarbeiteten: Was haben sie davon, wenn sie es nicht mehr genießen können? Die Grenze von dessen was einer glaubt haben zu müssen, sieht jeder anders. Es gibt Leute die sagen: Weniger ist mehr! Und wenn sie nicht mehr alles dürfen, dann genießen sie dafür das Wenige umso intensiver. Alles ist sowieso langweilig! Schließlich ist doch unser Leben doch erst durch seine Endlichkeit so schön.
Sigi: Dann sollte ich wohl noch dankbar sein?
Professor Gerling: Es gibt Patienten, die nicht mehr die Chance hatten, die Ihnen gegeben ist. Verzeihen sie, aber die Kerze die an zwei Enden brennt, sollte eigentlich nichts dagegen haben, wenn man versucht sie am anderen Ende auszublasen. Bis morgen!

Ludwig: Es ist offenbar ein Naturgesetzt, dass man die Menschen die man am liebsten hat, oft am meisten enttäuschen muss.

Marion: Vati!
Sigi: Du bist ja eine junge Frau.
Marion: Naja, ist ja auch schon eine Weile her.
Sigi: Ich, äh, habe oft gegrübelt. Warum Marion? Warum bist du weg gegangen? Warum hast du mein Geld zurück geschickt? Ohne Absender.
Marion: Müssen wir jetzt darüber reden?
Sigi: Bitte, ich verstehe es nicht.
Marion: Ich wollte allein durchkommen.
Sigi: Du wolltest es mir zeigen.
Marion: Ja!
Sigi: Respekt, Tochter.
Marion: Es geht mir gut.
Sigi: Friede?
Marion: Friede!

Professor Gerling: Wer sich nicht helfen lassen will, dem kann auch nicht geholfen werden.

Herbert Reibold: Wenn ich in meiner Jugend eine Erfahrung gemacht habe, so ist es die, dass es nie etwas bringt sich nach unten zu orientieren.
Tina: Das konntest du in deiner Jugend auch nicht, du warst unten.   
Herbert Reibold: Ist das eine Schande?
Tina: In meinen Augen nicht!
Herbert Reibold: Ich habe gearbeitet und diesen Betrieb aufgebaut, der heute eine kleine Fabrik ist. Kein Mensch hat etwas gegen Herrn Drombusch. Aber wir leben von dieser Fabrik. Du auch! Und ein Schutzmann wird kaum in der Lage sein, ihn eines Tages zu führen. Nachdem du schon Sport und Publizistik studierst.
Tina: Zunächst einmal bin ich mit Chris befreundet. Mehr nicht.
Herbert Reibold! Aber, Tina -
Tina: Und selbst wenn: Ich heirate einen Mann für mich und nicht für deine Fabrik.

Ludwig: Dann warst du das wohl eben, die mich so schneidig überholt hat.
Vera: Ich bin von der schnellen Truppe.

Schwester Lotte: Auch ein freudiger Schock ist ein Schock.

Vera: Mein Vater hat einmal gesagt: Es gibt Menschen, die sterben zwei Mal. Das erste Mal wenn sie glauben, dass sie keiner mehr braucht.


Besonderheiten:

  • Heinz Gerhard Lück alias Herbert Reibold hat in dieser Folge seinen ersten Auftritt
  • diese Folge ist mit 1:04 Stunden die bisher längste Episode der Serie
  • Sigi leidet unter einer „Angina Pectoris“ (Erkrankung der Herzkranzgefäße)
  • Ludwig gesteht, dass er sein Hotel im Schwarzwald nicht mehr besitzt; seine Ehefrau ist zusammen mit ihrer Stiefschwester bei einem Autounfall ums Leben gekommen und Ludwig hat den Gerichtsprozess um das Erbe verloren und musste alles verkaufen
  • erneut ist Darmstädter Bahnhof zu sehen
  • die Folge spielt teilweise am Fasnachtssamstag
  • Daniels Vater Jörg schickt in unregelmäßigen Abständen Geld für Daniel, welchen Marion auf einem Sparbuch ansammelt
  • Schwester Lotte war zusammen mit Vera auf der Schwesternschule
  • Sigi ist Privatpatient und bekommt belegt daher ein Einzelzimmer
  • Vera schenkt Sigi (durch Marion) das Buch: „Sorge dich nicht, lebe“ von Dale Carnegie
  • das Zitat „Ganz schön“ (gesagt von Ludwig) fällt in dieser Folge nach einiger Zeit wieder
  • Oma gesteht Vera, dass sie nach dem Tod ihres Mannes mit sich selbst nicht zurecht kam und deshalb zu der Familie ziehen wollte (siehe 1. Staffel)
  • einer von Sigis behandelnden Ärzten heißt „Dr. Gilberg“ (er wird erwähnt, ist aber nicht zu sehen
  • Vera und Sigi sind seit 26 Jahren verheiratet


Fehler:

  • während Marion und Daniel während der Fahrt nach Darmstadt das Zugabteil verlassen, schaut der kleine Daniel fleißig in die Kamera (20:27)
  • Ludwig schenkt Sigi eine Freilandlinde für den Innenhof der „Alten Mühle“; welche aber nie im Innenhof eingepflanzt wird (43:33)
  • Claus Berlinghof (spiele Karl Wembacher) wird im Abspann dieser Episode erwähnt, ist aber nicht in der Folge zu sehen


Gastschauspieler:

  • als Schwester Lotte die die Schauspielerin Helga Grimme zu sehen, sie wurde 1940 geboren und spielte u. a. in: „Tatort“, „Ein Fall für zwei“ und „Tod eines Schülers“
  • in einer Gastrolle als Professor Gerling ist der Schauspieler Hans-Günter Martens zu sehen; er ist am 12.05.1930 in Hamburg geboren und im Alter von 70 Jahren am 01.01.2001 in Hamburg verstorben; er spielte in über 50 Kino-, Film- und Fernsehproduktionen und ist  u. a. als Kriminalrat Friedrichs aus dem ARD Tatort bekannt und den beiden Loriot Kinofilmen (Papa ante portas & Ödipussi) bekannt
  • als Schwester Erika ist Margit Schulte-Tigges zu sehen; die Schauspielerin wurde 1943 geboren und ist Ensemblemitglied im Staatstheater Darmstadt; im Fernsehen war sie unter anderem in Episodenrollen im „Tatort“ und in „Der Alte“ zu sehen
  • Else Quecke alias Frau Kummer hat in dieser Folge ihren letzten Auftritt, sie war somit in insgesamt 3 Episoden zu sehen (Folgen: 9 – 11)


Drehorte:

  • Alice Hospital (Intensivstation mit Krankenzimmer, Flur, Aufenthaltsraum, Eingangsbereich; Eingangshalle mit Empfang; Station für innere Medizin mit Flur, Schwesternzimmer, Krankenzimmer, vor dem Krankenhaus)
  • Alte Mühle (Innenhof, Wohnbereich, Bad, Eingangsbereich, Empore)
  • Übergangswohnung im Seitenflügel der Alten Mühle (Küche, Flur, Wohnzimmer, Gästezimmer, Schlafzimmer)
  • Kneipe
  • Zugabteil
  • Bahnhof (Gleis 3 & 4, Treppe zu den Gleisen)
  • Polizeirevier (Wachraum, Büro)
  • Villa Reibold (Eingangsbereich, vor dem Haus, Zimmer Tina, Küche, Esszimmer)
  • Wohnung Frau Werbelhoff (Zimmer Oma, Flur, Wohnzimmer)
  • Innenstadt (Luisenplatz, Merck-Haus)
  • Wohnung Tina & Chris (Wohn- und Schlafzimmer)